DER GESCHICHTLICHE HINTERGRUND DES ZÖLIBATS IN DER KATHOLISCHEN
KIRCHE
Das erste Jahrhundert
Peter, der erste Papst und die von Jesus auserwählten Apostel waren
zum größten Teil verheiratete Männer. Das neue Testament gibt zu
verstehen, daß Frauen bei der Verabreichung des eucharistischen
Mahls in der frühen Kirche vorstanden.
Das zweite und dritte Jahrhundert
Das agnostische Zeitalter: Licht und Geist sind gut, Dunkel
und materielle Dinge sind sündhaft. Eine Person kann nicht verheiratet
und zugleich vollständig sein. Die meisten Geistlichen waren jedoch
verheiratet.
Das vierte Jahrhundert
306- Das Konzil zu Elvira, Spanien, Dekret Nr. 43: Ein Geistlicher,
der die Nacht vor der Messe im Beischlaf mit seiner Frau verbringt,
wird seines Amtes enthoben.
325-Das Konzil zu Nicäa verordnete: ein Geistlicher kann nach seiner
Ordination nicht heiraten. Das verkündigt das Nikänische Glaubensbekenntnis.
352-Das Konzil zu Laodicea: Frauen dürfen nicht eingeweiht werden.
Das deutet darauf hin, daß Frauen vor diesem Zeitpunkt ordiniert
wurden.
385-Papst Siricius verläßt seine Frau, um Papst zu werden. Er verordnete,
daß Geistliche mit ihren Frauen keinen Beischlaf mehr haben dürfen.
Fünftes Jahrhundert
401 - Der Heilige Augustin schrieb: "Nichts ist mächtiger, den Geist
eines Mannes zu erniedrigen als die Liebkosungen einer Frau."
Sechstes Jahrhundert
562 - Das 2. Konzil zu Tours: Jeglicher Geistliche, der mit seiner
Frau im Bett gesehen wird, wird exkommuniziert und ein Jahr lang
auf den weltlichen Stand erniedrigt.
580 - Papst Pelagius II ließ die verheirateten Geistlichen in Ruhe
so lange sie ihren Frauen und Kindern kein Eigentum der Kirche vermachten.
590-604 Papst Gregor "der Große" sagte, daß jegliches geschlechtliche
Verlangen an sich sündhaft sei (bedeutet das, daß sexuelles Verlangen
an sich böse ist?).
Siebtes Jahrhundert
Frankreich: dokumentarisch ist nachgewiesen, daß die Mehrheit der
Geistlichen verheiratet war.
Achtes Jahrhundert
Der Heilige Bonifatius berichtet dem Papst, daß es in Deutschland
kaum einen unverheirateten Bischof oder Priester gibt.
Neuntes Jahrhundert
836 - Konzil zu Aix-la-Chapelle: es wird freimütig zugegeben, daß
Abführungen und Kindermorde in Klöstern stattfinden, um die Aktivitäten
der nicht enthaltsamen Geistlichen zu vertuschen. St. Ulrich, ein
heiliger Bischof, berief sich auf die Heilige Schrift und den gesunden
Menschenverstand und plädierte für die Eheerlaubnis für die Geistlichen.
Für ihn war das die einzige Lösung zur Säuberung der Kirche von
den größten Ausschweifungen des Zölibats.
Elftes Jahrhundert
1045 - Papst Bonifaz IX. dispensierte sich vom Zölibat und dankte
ab, um zu heiraten.
1074 - Papst Gregor VII. sagte, jeder der eingeweiht werden soll,
müsse erst das Zölibatsgelübde ablegen: "Die Priester (müssen) sich
zuerst aus den Fesseln ihrer Frauen befreien."
1095 - Papst Urban II. ließ die Frauen der Geistlichen als Sklaven
verkaufen; ihre Kinder wurden ausgesetzt.
Zwölftes Jahrhundert
1123- Papst Calixtus II.: das erste Laterankonzil erklärte die Ehen
der Geistlichen für ungültig.
1139 - Papst Innozenz II.: das zweite Laterankonzil bestätigte
den Beschluß des vorhergegangenen Konzils.
Vierzehntes Jahrhundert
Bischof Pelagio beschwert sich, daß Frauen immer noch eingeweiht
sind und die Beichte hören.
Fünfzehntes Jahrhundert
Übergang: 50% der Geistlichen sind verheiratet und werden
vom Volk akzeptiert.
"Das Zölibat ist nicht ausschlaggebend für die Priesterschaft";
" es war kein von Jesus Christus verkündigtes Gesetz." Aussagen
von Papst Johannes Paul lI., im Juli 1993.
Sechzehntes Jahrhundert
1545-63 - Das Konzil zu Trent stellt fest, daß Zölibat und Keuschheit
besser sind als die Ehe.
1517 - Martin Luther.
1530 - Heinrich VIII.
Siebzehntes Jahrhundert
Inquisition. Galileo. Newton.
Achtzehntes Jahrhundert
1776 - Amerikanische Unabhängigkeitserklärung.
1789 - Die französische Revolution
Neunzehntes Jahrhundert
1804 - Napoleon.
1882 - Darwin.
1847 - Marx, Kommunistisches Manifest.
1858 - Freud.
1869 - Erstes Vatikankonzil; Unfehlbarkeit des Papstes.
Zwanzigstes Jahrhundert
1930 - Papst Pius XI.: Geschlechtsverkehr kann gut und heilig sein.
1951 - Papst Pius XII.: ein verheirateter evangelischer Pfarrer
wird in Deutschland zum katholischen Priester geweiht.
1962 - Papst Johannes XXIII.: Vatikankonzil II; volkstümlich; die
Ehe und Keuschheit sind gleichbedeutend.
1966 - Papst Paul VI.: Zölibatsdispensationen.
70iger Jahre - Ludmilla Javorova und mehrere andere tschechische
Frauen werden ordiniert, um die Seelsorge der von den Kommunisten
inhaftierten Frauen zu übernehmen.
1978 - Papst Johannes Paulus Il. friert die Dispensationen ein.
1983 - Das neue kanonische Gesetz.
1980 - Verheiratete anglikanische/episkopälische Pfarrer werden
als katholische Priester in den Vereinigten Staaten eingeweiht.
Im Jahr 1994 ebenfalls in Kanada und England.
Päpste, die verheiratet waren:
St. Peter, Apostel
St. Felix III. 483-492 (2 Kinder)
St. Homidas 514-523 (1 Sohn)
St. Silverus (Antonia) 536-537
Hadrian II. 867-872 (1 Tochter)
Clemens IV. 1265-1268 (2 Töchter)
Felix V. 1439-1449 (1 Sohn)
Päpste, die Söhne von andern Päpsten oder Geistlichen waren
|
| Name des Papstes |
Amtszeit |
Sohn von |
| St. Damaskus I. |
366-348 |
St. Lorenzo, Priester |
| St. Innozenz I. |
401-417 |
Anastasius I. |
| Bonifaz |
418-422 |
Sohn eines Priesters |
| St. Felix |
483-492 |
Sohn eines Priesters |
| Anastasius II. |
496-498 |
Sohn eines Priesters |
| St. Agapitus I. |
535-536 |
Gordiaous, Priester |
| St. Silverus |
536-537 |
St. Homidas, Papst |
| Deusdedit |
882-884 |
Sohn eines Priesters |
| Bonifaz VI. |
896-896 |
Hadrian, Bischof |
| Johannes XI. |
931-935 |
Papst Sergius III. |
| Johannes XV. |
989-996 |
Leo, Priester
|
| |
Päpste, die nach 1139 uneheliche Kinder hatten
|
| Name des Papstes |
Amtszeit |
Sohn von |
| Innozenz VIII. |
1484-1492 |
mehrere Kinder |
| Alexander VI. |
1492-1503 |
mehrere Kinder |
| Julius |
1503-1513 |
3 Töchter |
| Paul III. |
1534-1549 |
3 Söhne, 1 Tochter |
| Pius IV. |
1559-1565 |
3 Söhne |
| Gregor XIII. |
1572-1585 |
1 Sohn |
Verzeichnis historischer Quellen:
Oxtord Dictionary ot Popes
H.C. Lea History of Sacerdotal Celibacy in the Christian Church
1957
E. Schillebeeckx The Church with a Human Face 1985
J. McSorley Outline History of the Church by Centuries 1957
F.A.Foy (Ed.) 1990 CatholicAlmanac 1989
F.A.Foy (Ed.) 1990 CatholicAlmanac 1989
D.L. Carmody The Double Cross - Ordination, Abortion and Catholic
Feminism 1986
P.K Jewtt The Ordination of Women 1980
A.F. Ide God's Girls - Ordination of Women in the Early Christian
& Gnostic Churches 1986
E. Schüssler Fiorenza In Memory of Her 1984
P. DeRosa Vicars of Christ 1988
Fabeln und Tatsachen
Fabel: Alle Geistlichen legen das
Zölibatsgelübte ab.
Tatsache: Die meisten Geistlichen legen
das Gelübte nicht ab. Es ist ein vor dem Bischof gegebenes Versprechen.
Fabel: Das Zölibat ist nicht der Grund
für den Priestermangel.
Tatsache: Eine 1983 durchgeführte
Umfrage evangelischer Kirchen ergab einen Überschuß von Geistlichen;
nur die katholische Kirche hat nicht genug.
Fabel: Seit dem zweiten Laterankonzil
im Jahre 1139 ist das Zölibat der Geistlichen die Regel.
Tatsache: Priester und selbst Päpste
heirateten weiterhin und zeugten Kinder mehrere hundert Jahre lang
nach diesem Zeitpunkt.
In der Tat, die griechisch-orthodoxe Kirche hat immer noch verheiratete
Priester. In der römisch-katholischen Kirche kann man verheirateter
Priester sein, wenn man
- zuerst evangelischer Pfarrer ist oder
- lebenslang Katholik war und verspricht, nie mehr Geschlechtsverkehr
mir seiner Frau zu haben.
Fabel: Der Priestermangel ist auf
Materialismus und mangelnden Glauben zurückzuführen.
Tatsache: Recherchen (1985 Lilly Stiftung):
"Es gibt keinen Beweis, daß mangelnder Glauben zu Priestermangel
führt….Jugendarbeit und Campus Seelsorge steigen an."
Wir glauben, Priester sollten heiraten dürfen und Frauen sollten
das gleiche Recht haben, ihre Berufung zur Ordination zusammen mit
den männlichen Kollegen unter Beweis zu stellen.
Wir glauben, das Zölibat ist ein Geschenk des Geistes so wie die
Berufung zur Ehe oder zum ledig leben. Geschenke können nicht vorgeschrieben
werden und deshalb fordern wir aus höchster Achtung vor dem Geschenk
des Zölibats, daß es aus freier Wahl geschieht und nicht denjenigen
aufgezwungen wird, die sich nicht dazu berufen fühlen.
Die Originalbroschüre wurde von Corpus Canada entworfen
Révision soutenue conjointement et financièrement par Call to Action
et Future Church , 12/95.
Die Überarbeitung wurde gemeinsam unterstützt
durch: Call To Action and Future Church, 12-95
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